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14. März 2017

Vogalonga, Pfingsten 2013 in Venedig

VOGALONGA - langes Rudern = traumhaftes Rudern auf der Lagune Venedigs.
Vogare = rudern   vogata = Ruderschlag   vogatore = Ruderer

 

Etzel Winkler, langjähriger Wanderruderwart berichtet aus seiner jetzigen Heimat Südtirol.   

     

Alles begann im Februar, mit einer Mail unseres WARUWA Dieter Borgmann: Volker Grabow nimmt an der Vogalonga teil und kann Boote mitnehmen! Ich war elektrisiert von dem Gedanken..., vielleicht ich als Steuermann? Kurz darauf teilte Dieter mit, dass sich ein RCW Vierer bereits gemeldet hat: Claudia und Ulrich Gründling, Gaby und Herrmann  Denkhaus. Sofort bot ich mich bei Ulrich als Steuermann an.

 

Kaum hatte ich mein Angebot abgesandt, kamen die Bedenken, Du hast ja so lange nicht mehr im Boot gesessen, schaffst du das überhaupt noch? Aber ich hatte mich ja schon angemeldet!

10 Tage vergingen, dann kam eine Mail von Ulrich G.: Wir haben schon Birgit Henseler engagiert. Mir fiel ein Stein vom Herzen, ich brauche also nicht zu steuern.

 

Am 1. Mai, beim Anrudern in Witten, traf ich Claudia und Ulrich, sie sagten mir: Volker meint bei der Vogalonga werden immer Steuerleute gesucht. Meine Antwort: Ist schon in Ordnung Venedig ist ja nicht weit weg von Naturns, ich komme um Euch anzufeuern.

 

Ich reiste bereits am Freitag in Venedig an. Samstag, nach kärglichem ital. Frühstück, fuhr ich mit dem Vaporetto (öffentliches Boot-Verkehrsmittel in Venedig) zum Lido.
Gegen 11.00 Uhr, ich nuckelte gerade an einem Veneziano, und das mit Blick auf die Großschifffahrtstraße, da klingelte mein Handy: Hier Ulrich, Du Etzel, da sucht ein franz. Vierer verzweifelt einen Steuermann, ich geb dir mal die Handy-Nr. von Anne, die spricht auch englisch. Meinen Einwand keine Ruderklamotten dabei zu haben wimmelte er ab mit: da findet sich schon etwas! Fünf Minuten später, klingelte es wieder: „This is Anne, hello“. Sie erklärte mir, dass Ulrich gesagt habe, ich könnte ihren Vierer steuern. Treffen um 14.oo Uhr am Parkhaus! Jetzt konnte ich nicht mehr nein sagen. Erkennungszeichen weißes T-Shirt mit rotem Stern auf der Brust.

 

Wie so üblich bei den "Franzen", 14.oo kein Franzose zu sehen. Gegen 14.30 kommt dann ein Ruderer in spanischem Dress auf mich zu und sagt: „Du bist sicher der, der die Franzosen steuern soll“. Er wäre aus Malaga, sie hätten gemeinsam den Bootstransport mit den Franzosen gemacht. Jetzt wartet er noch auf ein Auto der Franzosen, das uns zum Aufriggern der Boote zum Festland bringt.

 

Gegen 16.oo Uhr waren wir endlich bei den Booten angelangt. Begrüßung, skeptische Blicke ob eines so alten Steuermannes. Sie dachten sicher, besser einen Alten als garkeinen!

 

Es waren fünf Boote, meines als Letztes eingeteilt. Auf einem großen Bogen Papier, wurde von einem Spanier, die Fahrtroute erläutert. Ich sollte unbedingt hinter dem vierten Boot bleiben.
Nach einer guten Stunde über offenes Wasser, war der Canale Grande erreicht. Jetzt ging es richtig zur Sache, Schiffsverkehr und hohe Wellen, ich hatte alle Hände voll zu tun, um die nächsten 1000 m zu überstehen ohne versenkt zu werden.
Die Rettung war ein kleiner Seitenkanal, nur noch Motorboote die nicht schnell fahren durften, noch ein kleiner Abzweig und 200 m, Ruderlang und Paddeln, dann waren wir am Ziel. Boote aus dem Wasser und irgendwie am Rand lagern.

 

Inzwischen war es 18.30 Uhr, ich sollte eigentlich schon längst auf dem Campingplatz in Fusino sein um die RCW-ler zu begrüßen. Die letzte Fähre von Fusina ging um 19.00 Uhr zurück. Das konnte ich also vergessen.

 

Die Franzosen luden mich zum gemeinsamen Abendessen in ihr Hotel ein. Es wurde ein sehr netter, feuchter Abend. Leicht beschwipst begann ich meinen Heimweg durch die engen Gassen zu meinem Hotel zu suchen. Unterwegs erreichte mich ein Anruf von Birgit H., sie seien erst jetzt angekommen. Wir treffen uns Morgen nach der Vogalonga. Hundemüde fiel ich in mein Bett. Für morgen war um 7.oo Uhr Boote zu Wasser bringen angesagt.

 

Samstag 6.15 Uhr machte ich mich auf den Weg zu meinen neuen Ruderkameraden. Am HBF. noch ein belegtes Brot gekauft und im Gehen verschlungen, erreichte ich Punkt 7.oo Uhr unser Boot, aber kein Franzose oder Spanier war zu sehen Ab zum Hotel, wo ich sie vergnügt beim Frühstück antraf. Meine Mannschaft kam übrigens vom Uni-Ruderclub Montpellier.

 

Immerhin konnten wir die Boote ab 7.45 Uhr zu Wasser lassen, wie gehabt paddeln, dann in den Canale Grande und zum Start gegenüber dem Markusplatz. Inzwischen hatte es auch angefangen zu regnen! Zum Glück hatte ich mir, vor dem Ablegen, von einem Straßenreiniger einen schwarzen, echt venezianischen Müllsack besorgt! So hatte ich wenigstens etwas Nässeschutz.

 

Kaum am Markusplatz angelangt, gab es einen lauten Böllerschuss und hunderte von Rudern oder Paddeln angetriebene Gefährte setzten sich in Bewegung. Die Lagune und der Canale sind an diesem Tag von 9.oo bis 15.oo Uhr  für motorgetriebene Boote gesperrt. (Ausnahme Rotes Kreuz, Feuerwehr und Polizei.)

Gigantisch diese Armada, hier geht es nicht um Schnelligkeit sondern darum sich auf diesen 30 km nicht abdrängen zu lassen. Feindberührung zu vermeiden ist ganz wichtig.

 

Zunächst über die offene Lagune zu der Insel Burano (Klöppelarbeiten), anlegen an einer künstlichen Insel, Knietief im immerhin warmen Wasser zum "Wasserlassen" watend. Petrus hatte auch eine Pause eingelegt! Es war lausig kalt. Ich musste höllisch aufpassen, dass mir keiner in‘s Boot fährt. Immer wieder Kurvenschneider, links und rechts, auf dem Weg nach Murano (Glasbläserkunst) in den Canale durch die Insel.
Ein höllischer Lärm von allerhand Musikwerkzeugen empfing uns von den Ufern und 1000den Zuschauern. Weiter über die Lagune zur Insel, an dieser entlang und in den Canale Grande.
Ein begeisterter Empfang der Boote von den Menschen an Ufern und Brücken, aus Fenstern und Türen, bewaffnet im Allem was Krach macht! Auf dem Wasser kein Fortkommen. Immer höchsten 3-5 Schläge und wieder „Ruder halt“! So ging es bis zum Markusplatz, dem Ziel!

Jedes Boot und die Besatzung wurden durch Lautsprecher, namentlich begrüßt. Es gab Radaddelchen und ein „Diploma di Partecipazione“.

 

Wir konnten, unweit des Zieles, vor einer Basilika anlegen und uns von der inzwischen angekommenen Sonne wärmen und trocknen lassen. Inzwischen war es 13.30 Uhr. In einem naheliegenden Bootshaus am Giudecca-Canal konnten wir endlich unsere Notdurft verrichten. Anschließend bewunderten wir die noch ankommenden Boote vom Ufer aus.

 

Nach einer guten Stunde wurde es Zeit zum Festland zu rudern. Pünktlich um 15.oo Uhr startete wieder die Schifffahrt. Wir hatten noch ca. 3 km zum offenen Wasser. Wieder war ich als Steuermann gefragt und es gelang mir, ohne viel Wasser zu übernehmen den rettenden Steg am Bootshaus in Mestre zu erreichen.

 

Nun noch die Boote abriggern und verladen. Alles ging gaaaanz langsam, eben Südländisch. Inzwischen bemühten sich meine neuen Freunde, für mich eine Fahrt nach Fusina-Camping zu organisieren. Fehlanzeige!! Schließlich gelang es mir mit Hilfe eine RK aus Mestre, ein Taxi zu bestellen. Nach weiteren 30 Min. Wartezeit begab ich mich zu Fuß zur nächsten Bushaltestelle (30 min. Gehzeit). Um 18.oo Uhr erreichte ich wieder die Insel. Fusina will mich nicht haben, unerreichbar!!

 

Per Pedes und Vaporetto erreichte ich mein Hotel. Unter der Dusche ließ ich diesen ereignisreichen Tag Revue passieren, ein ganz besonderer Tag. Nach dem Abendessen setzte ich mich noch an´s Ufer des Canale Grande, verschloss meine Augen, genoss das Rauschen des Verkehrs auf dem Wasser und träumte von der VOGALONGA.

 

Montag, 7.oo Uhr, Handy klingelt: „Hier Ulrich, Guten Morgen Etzel, wir brauchen Dich als Steuermann, haben unser Boot noch auf der Insel liegen. Unsere Steuerfrau Birgit ist am Abend vorher zur Übernachtung in Fusina geblieben und wir müssen über den Giudecca Canal dorthin zur Verladung. Wir sind schon im Ruderzeug (ich bin noch im Schlafanzug)“. Wo liegt das Boot? Bei der Chiesa di San Trovaso, nahe Anleger Zettare! Tja, so bis 9.oo Uhr müsste ich es wohl schaffen, o.k.?

 

Wie es weiter ging, kann sicher einer der Ruderer aus dem Cherry berichten. Soviel nur, es war ein unvergesslicher Tag!

Danke Claudia, Gaby, Birgit, Ulrich und Herrmann, alles echte RK.         

Etzel Winkler

 

Wie es weiter ging, ist kurz gesagt und geschrieben. Natürlich war auch für uns die Fahrt im Vierer mit Steuerfrau zunächst bei Regenschauern vorbei an der „Gemüse-Insel“ Sant’ Erasmo, durch Burano, weiter dann bei herrlichem Sonnenschein durch Murano und schließlich auch bei blauem Himmel auf dem Canale Grande durch Venedig ein bewegendes Erlebnis.
Einzig die Überfahrt über den Giudecca Canal, auf dem mittlerweile wieder die Schifffahrt den Betrieb aufgenommen hatte und für hohe Kreuzwellen sorgte, war uns am Sonntagnachmittag zu gefährlich. Also parkten wir unser Boot „Cherry“ kurzerhand vor der Chiesa di San Trovaso, erfrischten uns mit Eis und Bier (nacheinander) und fuhren mit der Fähre nach Fusina, um dort mit Volker den Tag Revue passieren zu lassen.

 

Am nächsten Morgen steuerte Etzel uns sicher und mit klaren Kommandos über den Giudecca Canal. Dabei baute er ein Erlebnis besonderer Art ein: Wir querten - anders als geplant - die Insel Giudecca über einen wesentlich schmaleren Kanal. Unter vielen über den Kanal gespannten und teilweise dicht behängten Wäscheleinen, vorbei an Fenstern, aus denen staunende Frauen schauten und spontan ihre Gespräche einstellten, ruderten wir und paddelte Etzel mit Hermanns mitgebrachtem Paddel vom Steuersitz aus unser Boot, zeitweise mit langgemachten Skulls, durch die Insel. Anschließend ging es über kristallklares, flaches Wasser entlang einer Stromleitung nach Fusina zur Verladung. Es war in der Tat der kürzeste Weg (Luftlinie).

 

Nach dem Verladen des Bootes verbrachten wir zu sechst einen schönen Sightseeing-Nachmittag auf Schusters Rappen in Venedig, stärkten uns in einem von Etzel empfohlenen urigen venezianischen Restaurant und brachten anschließend unsere Steuerfrau Birgit zum Bahnhof, wo sie den Nachtzug nach Deutschland nahm. Anschließend beschlossen wir den Abend in einem Vivaldi-Konzert in der Chiesa di San Vidal, bevor sich auch Etzel von uns verabschiedete.

 

Erwähnenswert ist vielleicht noch, dass sich die Teilnahme an der Vogalonga sehr gut in einen sportlich-kulturell gemischten Kurzurlaub integrieren lässt - wir waren von Freitag bis Mittwoch dort –, vorausgesetzt, der Bootstransport ist gesichert.

 

Volker-der InitiatorAn dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an Volker Grabow, der nicht nur den Transport angeboten und durchgeführt hat, sondern uns immer mit Rat und Tat zur Seite stand.

 

Ulrich Gründling

 

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