Ruder-Club Witten von 1892 e.V. Ruder-Club Witten von 1892 e.V.

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Alarmzeichen beim Sport erkennen! RCW-Vortragsabend 2013

Viel wäre schon gewonnen, wenn wir als Ruderer und Sportler die typischen Alarmzeichen z.B. einer unerkannten Herzerkrankung kennen würden!  


Aber was sind die typischen Zeichen - die Lichtblitze oder kurzen Episoden, wo man vielleicht das Gefühl hat, jetzt werden die Beine weich? Wo man sich mitunter gar hinsetzen muss? Wo man stürzt oder umkippt? Sind das typische Symptome, die dann auftreten, wenn vom Herzkreislauf her etwas nicht stimmt?
Oder ist es in den meisten Fällen doch nur ein bisschen niedriger Blutdruck? Wer solche Alarmzeichen nicht ernst nimmt, den kann es jederzeit treffen: Egal wie alt man ist!


An diesem Abend (27.11.) werden wir praktisch die Bedienung eines Defibrillators üben, wie er auch im Kraftraum hängt.
Also Ruderfreunde: diese Veranstaltung ist ein Muss!

 

So saßen wir denn, ca. 95 Zuhörer und Zuhörerinnen, voller Erwartung auf die Ausführungen des vom Vorstand zu diesem spannenden Abend als Referenten eingeladenen Herrn Professor Dr. Dr. med. Roland Schermer. Vorher hatten die meisten von uns sich mit einem „Pöttken Piäpperpottharst“ (1378 erstmalig urkundlich in Dortmund erwähnt), dazu Salzkartoffeln und das obligatorische Sauergemüse aus Frau Maronis Küche, gestärkt. Im Kiepenkerl in Münster hätte es nicht besser schmecken können. Die Jugendlichen waren nach altem Brauch vom Vorstand zum Essen eingeladen.


Danach startete Professor Schermer seinen Vortrag mit der Ankündigung, dass seine Worte nicht unbedingt leicht zu ertragen wären, dafür aber umso besser im Kopf hängenbleiben. Der Mann kommt aus dem Ruhrpott, ist 2004 Gründer des Werksarztzentrums Recklinghausen, das als Dienstleister viele namhafte Unternehmen im Ruhrgebiet betreut.


So verglich er zunächst das menschliche Kreislaufsystem, in der Hauptsache das Herz mit einem Vierzylindermotor, das durch Leistungssport nach und nach zum Sechs-, respektive Achtzylinder durch Hinzufügen weiterer Zylinderbänke erweitert wird. Die Leistung wird wesentlich gesteigert, dabei  die Ausdehnung der Leitungen (Blutgefäße) erhöht. Diese werden dann dünner. Höchstleistung führt dann zur „Überhitzung der Maschine“, hervorgerufen durch Schwachstellen in den Versorgungsleitungen. Der Infarkt droht!


So hat das IOC für alle Sportler unter 35 Jahren vor Aufnahme von Wettkampfaktivitäten bindend, einen Fragenkatalog zur Gefährdungs-Früherkennung zur Pflicht gemacht. Hier wird hinterfragt,
• ob jemals ein Engegefühl oder Schmerzen im Brustkorb, Husten oder Keuchen es schwierig gemacht haben am Sport teilzunehmen?
• ob der zukünftige Hochleistungssportler schon einmal beim Sport ohnmächtig geworden ist?
• ob es eine problematische Atmung oder Keuchen Sie nach körperlicher Aktivität gibt?
• ob schon einmal hoher Blutdruck diagnostiziert wurde?
• ob der Cholesterinspiegel erhöht ist?
• ob jemals eine Behandlung wegen Epilepsie durchgeführt wurde?
• ob in den letzten Monaten eine schwerwiegende Virus-Infektion war?
 • ob jemals rheumatisches Fieber ausgebrochen war?
• ob jemals eine Schlaganfallerkrankung, Herzrasen oder Herz-rhythmus-Störungen erkannt wurden?


Es folgen Fragen zur Familienanamnese nach:
• Einem plötzlichen und unerwarteten Todesfall?
• Einer Behandlung wegen Ohnmächtigkeit?
• Einem ungeklärten Autounfall?
• Einem ungeklärten Anfall?
• Einer Behandlung wegen unregelmäßigem Herzschlag


Die Anforderung nach dieser Befragung zum Schutz des Hochleistungssportlers ist eine Untersuchung im Mindest-Rhythmus von zwei Jahren auf:
• Blutdruck (Systole – Diastole)
• Pulsschlag (Herzrhythmus)
• Ggfs. Biomonitoring (Blutuntersuchung)
• Ggfs. EKG
• Ggfs Belastungs-EKG
• Bei evtl. Auffälligkeiten:
• Cardio-vaskuläres Screening durch Kardiologen


Soweit zu den Präventivmaßnahmen im Hochleistungssport. Kommt es dann trotz aller Vorsorge dazu, dass ein Sportler körperlich zusammenbricht, der GAU eintritt, heißt es zunächst Ruhe bewahren, über 112 den Notarzt zu rufen und die drei ABC-Regeln der Herzlungenwiederbelebung einzuhalten.
Zur ABC-Regel gehören:
A ("Airway"): Atemwege freimachen und offen halten
B ("Breathing"): Beatmen
C ("Circulation"): Kompression des Brustkorbs, d. h. Durchführung einer    Herzdruckmassage


Für professionelle Helfer, Rettungsassistent oder Notarzt wird die Regel erweitert:
D ("Drugs"): Intravenöse Gabe von kreislaufwirksamen Medikamenten (z. B. Adrenalin)
E ("ECG"): EKG-Diagnose zur Erkennung der Kreislaufstörung
F ("Fibrillation"): Defibrillation bei Kammerflimmern


Tritt der Notfall bei kalten Temperaturen im Freien ein, sind die Überlebenschancen besonders günstig. Die Herzlungenwiederbelebung ist oft erfolgreicher, da die Kälte an den Körper niedrigere Anforderungen für die lebenserhaltenden Funktionen, z.B. die Sauerstoffversorgung des Gehirns, dem eigentlichen Hauptproblem stellt.


Für die Reanimation bei Kreislaufstillstand beim Auffinden einer „leblosen Person“ gilt somit:
• Ansprechen
• Anfassen
Wenn keine  Reaktion, dann:
• Kopf überstrecken und Atemkontrolle
• Atmung vorhanden: Stabile Seitenlage und
• Kopf überstreckt lassen
Wenn keine Atmung oder Schnappatmung, dann
• Notruf tätigen (112), sollte eigentlich als allererstes geschehen
• Betroffenen auf Rücken legen
• Basisreanimation beginnen
• AED (automatisierter Defibrillator) holen lassen, wenn Helfer vorhanden


Die Basisreanimation soll zunächst mit einem mit aller Kraft (gefaltete Hände) durchgeführten Faustschlag auf die Mitte der Brust eingeleitet werden. Auch hier wieder ein schöner  Vergleich des Professors zur Auto-Technik: „Was machte man früher zuerst, wenn der Anlasser des Motors nicht drehte? Ein Schlag mit dem Hammer, das löste bei alten Anlassern mit klemmenden Magnetschaltern das Ritzel zum Einrücken in den Zahnkranz der Schwungscheibe. Meist sprang der Karren dann an“. Der Kordiale Faustschlag löst am Sinusknoten einen Schock aus, der den Herzschlag in vielen Fällen wieder startet.


Eine neue EU-Richtlinie für die Laienreanimation des Kreislaufs wurde erstellt:
Galt früher            So gilt jetzt
A = Atemwege      C =Circulation
B = Beatmen         A = Atemwege
C = Circulation      B = Beatmen


Jetzt ist Basisreanimation (möglichst mit 2 Helfern) zur Herzlungen-Wiederbelebung (HLW) angesagt:
• 30 x Herzdruckmassage, Frequenz mindestens 100/min.
• 2 x Beatmung je eine Sekunde;
Mund zu Nase; Mund zu Mund; Maske und Beutel und ggfs. Sauerstoff
• 30 x Herzdruckmassage
• 2 x Beatmung und so weiter
 

nach zwei Minuten wechseln die Helfer, da die Reanimation körperlich äußerst anstrengend für die Retter ist. Die Herzdruckmassage ist kein Streicheln, sondern eine rhythmisch mit aller Kraft auf den Brustkorb auszuführende Druckbewegung. Da können auch schon mal ein paar Rippen knacken. Das kleinere Übel ist hier der Rippenbruch. Die Drucktiefe soll mindestens 5 cm senkrecht zur Körperachse sein.


Steht nur ein Helfer zur Verfügung, darf der Helfer zur Erleichterung seiner Tätigkeit die Beatmung zu Gunsten der Massage einschränken. Die Mund-zu-Beatmung stellt vielfach eine große Hemmschwelle zwischen Helfer und Betroffenem dar, vor allen Dingen, wenn der Mund mit Erbrochenem verunreinigt ist. Angst vor einer HIV-Infektion muss niemand haben, da diese ausschließlich über das Blut übertragen wird.


Nur wenn ein Helfer vorhanden ist, diesen den automatischen Defibrillator (AED) holen lassen. Das Gerät ist selbsterklärend, d.h. alle auszuführenden Handgriffe werden dem Retter laut und deutlich angesagt. Nur diesen Anweisungen folgen! Der AED kommt erst nach ca. vier Minuten zum Einsatz, wenn andere Maßnahmen keinen positiven Erfolg zeigen, der Herzschlag nicht wieder einsetzt.


Der beste Erfolg und damit die größtmögliche Überlebenschance ohne Hirnschäden bei allen Rettungsmaßnahmen sind in den ersten fünf Minuten nach Kreislaufstillstand. Das Gehirn kann ohne Schäden zu nehmen maximal acht Minuten ohne Sauerstoffzufuhr leben.


Deshalb der Appell von Prof. Schermer an uns: Keine Angst vor Wiederbelebungsmaßnahmen. Es ist die einzige Chance, die der Kollabierte hat.


 

29.11.2013, Dieter Peters

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